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Für eine Politik «aus dem wirklichen Leben heraus»
Von Gerald Eimer
Derzeit sieht alles danach aus, dass der 45-Jährige für die Linke in Aachen den Sprung in den Bundestag schafft - sein Platz sechs auf der Landesliste gilt als so sicher, dass ihn derzeit selbst das magere Ergebnis der Kommunalwahl nicht aus der Ruhe bringen kann. 4,1 Prozent hatte seine Partei vor zwei Wochen in Aachen eingefahren - deutlich weniger als erhofft, aber landesweit wäre das immer noch ausreichend für Hunkos Parlamentspläne.
Aber was heißt schon Pläne? «Als ich in die Linke eingetreten bin, hatte ich zunächst keine Ambitionen gehabt», sagt er, «ich hatte nie die Vorstellung, Politik zu meinem Beruf zu machen.» Ein Blick auf seinen bisherigen Lebenslauf scheint das zu bestätigen. Medizin hat er studiert, das erste Staatsexamen abgelegt, sich dann aber anders entschieden. Es folgten Jobs als Lkw-Fahrer, als Pfleger, als Drucker. Später war er arbeitslos. So definiert man prekäre - also unsichere und schlecht entlohnte - Arbeitsverhältnisse, und so ist Hunko auch in die Linke geraten, jene Partei, die sich dem modernen Prekariat verpflichtet fühlt. Zunächst aktiv in der außerparlamentarischen Arbeit - im Antikriegsbündnis und als Sprecher der Montagsdemos gegen Hartz IV - habe er sich 2005 von der Idee anstecken lassen, Deutschlands Linke zu vereinen. Dass dort sehr unterschiedliche Strömungen zusammengekommen sind, musste er vor Ort miterleben: Noch kurz vor der Kommunalwahl bekämpften sich in Aachen die einzelnen Flügel aufs heftigste. Er selbst gehöre jener Gruppe an, «die Pluralität akzeptiert», sagt er. Zuordnen würde er sich in diesem Umfeld der antikapitalistischen Linken, «eher marxistisch orientiert». Sein Ziel: Politik «aus dem wirklichen Leben heraus machen». Er wisse, was Arbeitslosigkeit und Hartz IV bedeutet. «Ich komme aus diesen Lebensumständen.» Bundesweit für Empörung hatte jüngst seine Warnung vor «sozialer Friedhofsruhe» angesichts der Wirtschaftskrise gesorgt. Proteste könnten Hoffnung machen, sagte er - was von einigen als Aufruf zu Unruhen interpretiert wurde. Wie er sich seine künftige Parlamentsarbeit vorstellt, umschreibt er mit einem Lafontaine-Zitat: «Die Wirkung der Linken sehe ich am deutlichsten in der Opposition.» Rot-rot-grüne Bündnisse seien solange undenkbar, solange es bei den anderen Zustimmung zu Hartz IV, zur Privatisierung und zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr gebe. Damit umreißt er zugleich die zentralen Themen, mit denen auch er im Wahlkampf punkten will. Die Linke stehe für den Abzug aus Afghanistan. Innenpolitisch trete sie für Mindestlöhne, höhere Steuern für Reiche, höhere Bildungsausgaben und mit dem klaren Nein zur «Rente mit 67» und vor allem zu Hartz IV an. Um die Themen unters Volk zu bringen, stehe ihm «kein großer Apparat» zur Verfügung. Vieles müsse er allein organisieren. Hinzu kommt, dass viele Mitglieder nur noch schwer für einen weiteren Wahlkampf zu motivieren seien - erst recht nach dem «ernüchternden Ergebnis in Aachen». «Andere Dynamik» Hunko ist dennoch überzeugt, dass die Bundestagswahl «eine andere Dynamik» habe und den Linken mehr Stimmen einbringen werde. «Kommunalwahlen werden von unseren Wählern als nicht so relevant angesehen», glaubt er. Hauptklientel seien «eigentlich Nichtwähler». Daher erfordere es besondere Anstrengungen, sie zu erreichen. Hunko setzt auf persönliche Ansprachen, Hausbesuche und kleinere nichtoffizielle Gesprächsrunden - «gerade in prekären Vierteln, in denen keine Zeitung gelesen wird». Und in Kürze will er wieder mit einem hergerichteten alten roten Traktor durch die Stadt fahren: «Das erregt Aufmerksamkeit und weckt Sympathie», meint er. Prominente Unterstützung erhofft er sich zudem von Sahra Wagenknecht, die am 24. September auf dem Willy-Brandt-Platz spricht. Fünf Tage später feiert Hunko Geburtstag. «Wer mir ein Geburtstagsgeschenk machen will, soll einfach das Kreuz richtig machen», sagt er. Treffpunkt am Lieblingsort in Aachen In einer fünfteiligen Reihe stellen die «Nachrichten» die Aachener Bundestagskandidaten für die Wahl am 27. September vor. Wir trafen die Kandidaten jeweils an ihrem Lieblingsort in Aachen: Andrej Hunko im «Last Exit» im Hubertusviertel. Andrej Hunko, Jahrgang 1963, ist in Aachen aufgewachsen. In Freiburg und Berlin hat er Medizin studiert und das erste Staatsexamen abgelegt. Gearbeitet hat er unter anderem als Lkw-Fahrer, Drucker und Krankenpfleger. 2007 wurde er Mitarbeiter des Europaabgeordneten Tobias Pflüger (Linke). Hunko ist Mitglied im Landesvorstand seiner Partei und stellvertretender Pressesprecher im Landesverband.
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