Lokal & Regional / Aachen

10.000 Plakate gegen Neonazis

Von Michael Klarmann 30.10.2009, 21:13

Aachen. Wenn am Samstag Neonazis in Aachen aufmarschieren, sollen die Bürger mit friedlichen Mitteln des Protestes ihre «tiefe Abscheu und strikte Ablehnung» verdeutlichen. Dies fordert eine Erklärung, die Parteien und Initiativen gemeinsam mit Oberbürgermeister Marcel Philipp unterzeichnet haben.


Die Stadt geht mit gutem Vorbild voran. Plakate und Transparente mit der Losung «Wir sind Aachen. Nazis sind es nicht!» schmücken Behördengebäude und Teile der Aufmarsch-Strecke.

Philipp und die Unterzeichner hingen am Freitag vor dem Bahnhof Plakate auf. Der OB rief die Bürger dazu auf, wie schon Heiligabend diese Plakate in ihre Fenster zu hängen.

Wie berichtet, planen Neonazis am 31. Oktober den dritten Aufmarsch seit November 2008 in Aachen. Sie wollen sich um 12 Uhr am Hauptbahnhof versammeln. Antifaschisten rufen schon für 11 Uhr an gleicher Stelle zu einer Gegenkundgebung auf. Die Polizei richtet sich auf einen Großeinsatz ein, bei dem erfahrungsgemäß bis zu 1000 Beamte eingesetzt werden.

Verkehrsbehinderungen in dem Bereich zwischen Bahnhof, Theaterplatz und Franzstraße werden wiederum erwartet. Philipp sagte, es ärgere ihn «maßlos», dass der braune Aufmarsch die Innenstadt für einige Stunden lahmlegen könnte. Es sei «unsäglich», dass Bürger, Gäste und Geschäftswelt das hinnehmen müssten.

Schon am Donnerstag hatten der OB, die Vorsitzenden der Ratsfraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP und Die Linke, Vertreter beider Kirchen und der jüdischen wie muslimischen Gemeinden, aber auch der Aachener Friedenspreis und der DGB eine Erklärung veröffentlicht.

«Wir bekräftigen abermals», heißt es darin, «dass Aachen kein Platz für solche hat, die rassistischen Hass und fremdenfeindliches, neonazistisches Gedankengut verbreiten.» Man werde zusammenstehen gegen jene, die Demokratie, Pluralität, Offenheit und Toleranz zerstören wollen.

Ein Zeichen setzen

Offensichtlich sei die am Tag des Aufmarsches in Eschweiler stattfindende Regionalkonferenz «Aktiv gegen Rechts» Anlass für die Neonazi-Aktion in Aachen. «Diese unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters der Stadt Eschweiler stattfindende Veranstaltung wird von uns», heißt es in der Erklärung, «als eine gute Gelegenheit begrüßt, Aktivitäten gegen rechtsextremistische Bestrebungen noch besser zu koordinieren.»

Als Zeichen der Solidarität wird OB Philipp diese Konferenz kurz besuchen. Unterdessen haben die Neonazis im Anschluss an den Aufmarsch eine Kundgebung in Eschweiler angemeldet, um direkt gegen das antifaschistische Treffen zu protestieren.

Die Aachener Stadtverwaltung hat mehr als 10.000 Plakate mit der Aufschrift «Wir sind Aachen. Nazis sind es nicht!» drucken lassen und verteilt. Das Motiv kann auch im Internet unter http://www.aachen.de abgerufen und ausgedruckt werden.

OB Philipp sagte, die Menschen sollten «gemeinsam deutlich ein Zeichen setzen». Er hoffe, dass die Neonazis dieses dann auch verstehen und ähnliche Zeichen «in Zukunft nicht mehr nötig» seien.

Marcel Philipp und die Unterzeichner der Erklärung riefen überdies dazu auf, sich am 9. November um 17.30 Uhr vor der Synagoge an einer Gedenkfeier für die Opfer der Pogromnacht 1938 zu beteiligen. Man könne so der Opfer gedenken, aber ebenso ein Zeichen für die Demokratie und «eine menschlichere Zukunft» setzen.



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