Lokal & Regional / Aachen

Der kürzere Zivildienst begeistert nicht gerade

Von Jan Mönch 08.01.2010, 20:11

Aachen. Zum Einstieg betrieb Jens Kreuter erst mal ein wenig Soziologie. Schulabschluss? Konfession? Noch wohnhaft bei den Eltern? Per Handzeichen antworteten die 23 jungen Leute: Die meisten haben Abitur, überwiegend sind sie katholisch, allesamt wohnen sie noch im «Hotel Mama».


Zudem haben sie noch eine andere Gemeinsamkeit: Sie leisten derzeit irgendwo im Bistum ihren Zivildienst ab. Im Burtscheider Haus der Caritas schilderten sie nun Jens Kreuter, der Bundesbeauftragter für den Zivildienst ist, ihre Erfahrungen. Zu dem Gesprächstermin eingeladen hatten Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders und Weihbischof Dr. Johannes Bündgens.

1254 Zivildienstplätze gibt es nach Angaben des Caritasverbands im Bistum, sie verteilen sich auf 250 Zivildienststellen. Beschäftigt sind die Zivis in Jugendzentren, Altersheimen und Krankenhäusern, sie leisten Arbeit im Pflegebereich, üben Hausmeistertätigkeiten aus oder sind ganz einfach «Mädchen für alles». Und so unterschiedlich wie ihre Aufgabenfelder sind auch die Erfahrungsberichte, die Jens Kreuter mit ins Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend genommen hat.

«Das Leid, das man mitbekommt, das nimmt einen manchmal schon mit», gestand ein Zivi ein, der in einem Krankenhaus tätig ist. Ein Kollege konnte von einem tollen Team schwärmen, in das er herzlich aufgenommen worden sei.

Jens Kreuter selbst war 1985 «einer der Letzten, der zur mündlichen Verhandlung musste», um den Wehrdienst zu verweigern. Statt in die Kaserne ging es für ihn nach Israel: «Die Zeit hat mich erheblich geprägt, ohne sie säße ich sicher nicht hier.» In der Tat wird der Zivildienst längst auch als Möglichkeit zur beruflichen Orientierung betrachtet. Dementsprechend wurde im Caritashaus auch die für 2011 erwartete Kürzung der Zivildienstzeit von derzeit neun auf sechs Monate diskutiert. Der endgültige Beschluss steht zwar noch aus. Dass mit diesem zu rechnen ist, daran ließ Jens Kreuter jedoch keine Zweifel.

Er gab dreierlei zu bedenken. Erstens den rein zahlenmäßigen Rückgang an Engagement: «Ein echter Brocken.» Zweitens den abzusehenden Ausstieg der Rettungsdienste: «Niemand bildet drei Monate aus für drei Monate Arbeitskraft.» Und drittens die Frage, was der Zivildienstleistende eigentlich mit den drei freien Monaten, die etwa bis zum Beginn seiner Ausbildung bleiben, anfangen soll: «Eine ganz erhebliche Lücke.»

Auch stritt der promovierte Theologe ab, dass Kosten eingespart werden sollen. Ohnehin sei die zu erwartende Situation nur eine Konsequenz aus der Verkürzung der Wehrpflicht, wie Weihbischof Johannes Bündgens klarstellte: «Diese Situation hat so keiner angestrebt.»

Statistische Erhebung

Die 23 Jugendlichen bei der Gesprächsrunde werden von der Kürzung nicht mehr betroffen sein. Wäre dem so, sie würden es mehrheitlich nicht begrüßen. Denn auch zum Ende hin führte Jens Kreuter wieder eine kleine statistische Erhebung durch: «Wer sagt denn, ich gehe insgesamt gern zu meiner Zivildienststelle?» Beinahe alle Hände gingen nach oben.



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