Aachen. Für Aachens Piraten-Crew war es der Überraschungscoup schlechthin: Mit 1459 Stimmen (1,7 Prozent) sind sie unter den kleinen Parteien seit Sonntag die Größten.
«Wir liegen in Aachen über dem Landes- und dem Bundesschnitt», erklärte Europakandidat Richard Klees (24), Physik-Student an der RWTH Aachen, der den Wahlausgang als «vollen Erfolg» wertet.
Gemeinsam mit Parteifreunden hat er die Auszählung im Stammlokal «online» verfolgt - standesgemäß also für die Partei, die sich schwerpunktmäßig mit neuen Technologien und deren Anwendungen bzw. Auswirkungen befasst.
Freier Wissensaustausch, Datenschutz, Informationsfreiheit im Internet, Überwachungsstaat, transparente Politik, demokratische Rechte sind Themen, mit denen sich die Piraten befassen, die alles andere als eine «Spaßpartei» sein wollen. Schon registriert die Crew, wie sich die Parteianhänger nennen, verstärkten Zulauf.
In Aachen engagieren sich derzeit bis zu 15 Leute, am heutigen Dienstag wollen sie darüber entscheiden, ob sie auch zur Kommunalwahl antreten.
1500 Stimmen wären ein sicherer Sitz im Rathaus. Klar ist bereits, dass sie zur Bundestagswahl im September und auch bei der Landtagswahl im nächsten Jahr antreten werden.
Mangels Geld hat die Partei ihren Wahlkampf vorwiegend im Internet geführt, was dazu führt, dass sie Rückhalt vorwiegend im studentischen Milieu und bei Informatikern findet.
Bei der «klassischen Bürgerrechtspartei» FDP fühlen sie sich nicht aufgehoben: Ihren eigenen Ansprüchen werde die FDP nicht gerecht, sobald sie in Regierungsverantwortung stehe, sagt Klees.