Leselust: Erfrischende Texte im brütend heißen Quadrum
Von Heike Nelsen-Minkenberg
03.07.2009, 18:56
Aachen. Während die Sommerschwüle am Donnerstagabend durch das Quadrum des Doms waberte, feierte die Aachener Leselust dort ihre Premiere. Eine Premiere nicht nur im Sinne der Auftaktveranstaltung für dieses Jahr, sondern auch eine Premiere am neuen Veranstaltungsort.
Den meisten wird noch der klangvolle Name «Leselust am Lousberg» im Gedächtnis sein, doch die dortige Location hatte letztlich zu viele Mängel: Keine sanitären Anlage und kein festes Dach in der Nähe - fatal an Regentagen.
Klar, dass ausgerechnet Donnerstag der bisher heißeste Tag des Jahres war. Doch immerhin gut zwei Dutzend Literaturfreunde widerstanden den vielfältigen Verlockungen der Aachener Außengastronomie und fanden trotz brütender Hitze den Weg ins Quadrum.
Dort wurden sie mit erfrischender Poesie erquickt. Denn Stan Lafleur, in Köln lebender Autor, Journalist, und «Spoken Word-Performer», überraschte das Auditorium im ersten Teil seiner Lesung mit Auszügen aus seinem neuen Projekt, «rheinsein».
Dem breiten Strom widmet er in diesem Jahr - gefördert durch die Kunststiftung NRW - ein Reisejournal, eine Art Archiv, einen Zettelkasten von Texten zu einzelnen Städten und Orten am Rhein und im Rheinland. Mit ironisch spitzer Feder spießt Lafleur dabei treffsicher die Eigenarten seiner Stationen auf.
Eine Enttarnung provinzieller Selbstverliebtheit, von Xanten - wo alle Wege zur Tourist-Information führen - bis hin zu Schaffhausen: «volle shampoonade!» Denn von Nord nach Süd führte der gebürtige Karlsruher sein Publikum, auch eine Rückreise in seiner eigenen Biographie.
Szenenapplaus
Die zweite Halbzeit des Abends stand mit Auszügen aus dem Lyrikband «die welt auf dem fusz» ganz im Zeichen des Fußballs: Treffsichere Schilderungen von Standardsituationen, humorvolle Porträts internationaler Fußballgrößen, der einzigartige Charakter eines jeden Ballkünstlers in einen eigenen Sprachrhythmus verwandelt.
Das Gebiet, auf dem Lafleurs Rezitationskunst am stärksten zur Geltung kommt. So erntete der 40-Jährige für sein Vortrags-Stakkato des «bomba» (der Bomber) spontanen Szenenapplaus - und entlockte dem Publikum bei seinem letzten Gedicht ein selbstironisches Schmunzeln: Der bekennende KSC-Fan widmete dem «ortsansässigen Fußballclub» mit mildem Augenzwinkern die «ballade von der kreisliga b».
Am Montag, 6. Juli, geht die Leselust im Quadrum mit Verena von Asten (Prosa) sowie Christoph Wenzel und Christoph Leisten (Lyrik) weiter. Beginn 20 Uhr.