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Für kurze Zeit ein sicherer Hort
Von Sandra Kinkel
Alle Zähne des Jungen waren verfault, weil er bei seinen Eltern nur gesüßte Getränke bekommen hat. «Das Kind hat überhaupt keine feste Nahrung gekannt», erinnert sich Renate Bux. «Ich musste anfangs alle Speisen pürieren.»
Zudem hatte der Junge ein riesiges Bedürfnis nach Schlaf. «Der hat 15 bis 18 Stunden am Tag geschlafen», so Hubert Cremer. «Es war schlimm.» Seit zwei Jahren arbeiten Renate Bux und Hubert Cremer, der jetzt Vize-Bürgermeister (FDP) der Stadt Düren ist, für das Kinderheim St. Josef als Bereitschaftspflegeeltern. Zusätzlich zu den drei Kriseninterventionsgruppen mit rund 30 Plätzen, die das Kinderheim unterhält, gibt es in Düren außer Cremer und Bux noch sieben weitere Bereitschaftspflegeeltern, die kurzfristig, das heißt innerhalb weniger Stunden, ein Kind bei sich aufnehmen können. Der Leiter des städtischen Jugendamtes, Manfred Savelsberg, erklärt: «Das Jugendamt hat auch ein Wächteramt inne. Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, müssen die Kinder sofort aus ihren Familien raus.» Im Auftrag des Jugendamtes sorge das Kinderheim St. Josef dafür, dass die Kinder aufgenommen würden. «Das geht entweder in einer der Kriseninterventionsgruppen oder bei den Bereitschaftspflegeeltern, wobei wir versuchen, die Kinder unter sechs Jahren immer bei Pflegeeltern unterzubringen.» Die Bereitschaftspflegefamilien werden gründlich überprüft, sie müssen eine Pflegeerlaubnis nachweisen und bekommen Besuch von Mitarbeitern des Kinderheimes. Die gucken sich die räumlichen Verhältnisse an und führen lange Gespräche mit den Eltern. Hubert Cremer hat durch seine Arbeit im Jugendhilfeausschuss der Stadt von den Bereitschaftspflegeeltern erfahren. «Ich hatte einfach von Anfang an das Gefühl, dass wir diesen Kindern helfen müssen», so der pensionierte Bahnbeamte. «Um Dauer-Pflegeeltern zu werden, sind wir zu alt.» Die Bereitschaftspflegeeltern machen abwechselnd immer eine Woche Dienst, und meistens, so Cremer, «gibt es auch ein Kind, das man aufnehmen muss.» Die Kinder bleiben maximal drei Monate in den Familien, in der Zeit muss das Jugendheim eine dauerhafte Lösung finden. Manfred Savelsberg: «Das kann eine Rückführung in die Familie sein, wenn die Eltern eine Familienhilfe annehmen oder bereit sind, sich einer Therapie zu unterziehen.» Möglich sei aber auch eine dauerhafte Unterbringung in einer Pflegefamilie oder im Kinderheim. Immer ist der Schritt für die Kinder ein traumatisches Erlebnis. Savelsberg: «Sie kommen in eine völlig neue Umgebung mit völlig neuen Bezugspersonen.» Ähnliches haben auch Hubert Cremer und Renate Bux beobachtet. «Die Kinder sind allesamt irgendwie zurück geblieben. Aber sie lernen unglaublich schnell, stellen überhaupt keine Ansprüche und sind sehr lieb.» Klar, dass da der Abschied manchmal sehr schwer fällt «Die Kinder leben ganz normal mit uns in der Familie. Manche nennen uns âMamaÔ und âPapaÔ. Sie wieder herzugeben, ist nicht einfach», so Cremer. «Aber dass der Tag kommen wird, weiß man von Anfang an.» Cremers Sohn Max hat übrigens kein Problem damit, dass manchmal fremde Kinder bei ihm wohnen. «Diese armen Kinder brauchen Hilfe», so der Elfjährige. «Sie nehmen mir ja nichts weg.»
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