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Drei Standbeine für eine soziale Erziehung
«Zumal sie die Heckenlandschule noch nicht kennengelernt haben. Unserer Einladung zu einem Informationsabend am 1. Dezember 2009 sind die Kalterherberger Elternvertreter jedenfalls leider nicht gefolgt», bedauert Schulleiterin Sabine Hammerschmidt, die deshalb das Konzept der Heckenlandschule in der aktuellen Grundschuldebatte deutlich machen möchte.
«Mit Freude lernen - mit Freunden leben» lautet das Motto der Höfener Grundschule, an der 160 Schülerinnen und Schüler von zehn Lehrerinnen, zwei Lehramtsanwärterinnen und einer Sonderpädagogin unterrichtet werden. Im Teamteaching sind jeweils zwei bis drei Lehrerinnen für alle Kinder eines Jahrgangs verantwortlich. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen von 12 bis 21 Kindern statt. Gemeinsam bereiten die Lehrerinnen den Unterricht vor. Dabei ergänzen sich die unterschiedlichen Fähigkeiten der Lehrpersonen, Ideen werden entwickelt, Arbeiten aufgeteilt. Da in der Grundschule die Klassenlehrerin die meisten Fächer unterrichtet, ist es im Team von Vorteil, wenn sich Begabungen ergänzen. So unterrichtet beispielsweise die eine Lehrerin in beiden Gruppen Kunst, während die andere sich eher im sportlichen Fach fit fühlt. Sind drei Lehrerinnen in einem Team, so können auch kleine Lerngruppen gebildet werden. Hier kann Unterrichtsstoff intensiv wiederholt werden, oder besonders begabte Kinder bekommen Knobelaufgaben, während der Rest der Klasse noch Übungsbedarf hat. Für die Kinder ist es von Vorteil, wenn sie wie im Kindergarten mehrere Bezugspersonen haben. Auch im Vertretungsfall bleibt immer eine Teampartnerin erhalten, die alle Kinder kennt und weiß, wie die Klasse weiterarbeiten muss. Eltern begrüßen es, wenn ihre Kinder bereits viele Klassenkameraden kennen, ehe sie auf die weiterführende Schule gehen. «Leider werden wir ab dem nächsten Schuljahr nur noch einzügig sein. Da wir vom jahrgangsübergreifenden Unterricht (Klasse 1 und 2 gemischt) bisher nicht überzeugt sind, wird das Modell des Teamteachings wohl sterben», vermutet die Schulleiterin. Vor sieben Jahren wurde die Höfener Grundschule im Wettbewerb «Qualität schulischer Arbeit - neue Wege des Lernens» von der Schulministerin wegen dieses Konzepts als beste Grundschule in NRW ausgezeichnet. Seit fast sechs Jahren arbeitet die Heckenlandschule an einem Modell der Begabtenförderung. Den Kolleginnen ist es dabei besonders wichtig, dass bei allen Kindern Begabungen entdeckt und gefördert werden. So sollen das Selbstbewusstsein gestärkt und die Lernfreude gesteigert werden. In den Klassen 3 und 4 wählen die Kinder daher einen von sechs Kursen, der ihren Begabungen entspricht. Wöchentlich arbeitet jedes Kind 60 Minuten in diesem Bereich, sei es in naturwissenschaftlichen Experimenten, bei mathematischen Knobelaufgaben, beim Lesen, Vorlesen und Vertonen von Büchern, beim Schreiben eigener Bücher, im Naturkurs oder bei der Schülerfirma «Gesundes Schulfrühstück». In den Klassen 1 und 2 werden bei ausreichender Lehrerkapazität spezielle Förderstunden für besonders gute Rechner oder Schreiber angeboten, die «Rechen- und Schreibfüchse». Künstlerisch begabte Kinder bekommen durch eine Museumspädagogin des Ludwig-Forums zusätzliche Kunststunden. Die Kinder setzen sich mit Kunstwerken auseinander und gestalten eigene Werke. Im Bereich Lesen wird die Förderung der Heckenlandschule besonders deutlich. Jedes Kind liest täglich Texte, die seinem Lesestand entsprechen. Dafür schafft die Schule spezielles Material an, welches es jedem Kind erlaubt, in seinem eigenen Tempo weiter zu lesen. Sind die Kinder in der Lage erste Bücher zu lesen, so erwartet sie eine umfangreiche Schülerbücherei. Hier kann jeder Sachbücher oder Geschichten nach eigenem Interesse ausleihen, in festgelegten Lesestunden oder zu Hause lesen und schließlich im Internet Fragen zu dem Buch beantworten. Mit großer Motivation sammeln die Kinder so Lesepunkte und werden von der Lehrerin mit einer Urkunde belohnt. Schlichter und Friedensbrücken Wichtig ist der Heckenlandschule neben einer positiven Leistungserziehung auch die soziale Erziehung der Kinder. Im dritten Schuljahr werden interessierte Kinder zu Streitschlichtern ausgebildet. Mit der Methode der «Friedensbrücke» lernen sie, wie man zwei Parteien dazu bringt, Konflikte zu benennen, sich gegenseitig zuzuhören und eine gemeinsame Vereinbarung zu treffen. Im vierten Schuljahr sind diese Kinder dann in der Lage, zwei Streithähne vom Pausenhof weg an den runden Tisch zu holen. In Kooperation mit der Beratungsstelle Monschau kommt jeden Donnerstag eine Sozialpädagogin in die Schule und bietet eine Kindersprechstunde an. Auch hier lernen die Kinder, bei Bedarf über ihre Gefühle zu sprechen, sich bei Problemen Hilfe zu holen oder Konflikte zu lösen. Das dritte Standbein der sozialen Erziehung bildet das kooperative Lernen. In ausgewählten Unterrichtssituationen erarbeiten die Kinder in der Kleingruppe (3 bis 4 Kinder) die Lösung eines Problems. Durch sachbezogene Diskussionen oder Recherchen knacken die Kinder gemeinsam den Knoten und stellen ihr Ergebnis der Großgruppe vor. So werden frühzeitig wichtige Voraussetzungen für Teamfähigkeit geübt. Für die Zeit nach dem Unterricht gibt es vielfältige Betreuungsangebote: Die Kinder können bis 13.20 Uhr in der Schule bleiben oder bis 16 Uhr oder sie gehen nach Hause und kommen dann noch einmal, um einen Kurs zu besuchen. Für die Ganztagsschulkinder wird in der Schule täglich frisch ein dreigängiges gesundes Menü gekocht. Neben einer qualifizierten Hausaufgabenhilfe haben alle Kinder die Möglichkeit, aus einem Angebot von 15 Kursen auszuwählen. Auch damit sollen spezielle Begabungen und Interessen der Kinder gefördert werden. Beispielsweise gibt es die Kurse Holzverarbeitung, Töpfern, Malen, Hip Hop Tanz, Tennis, Natur, Schach, Leichtathletik, Fußball, Flöten. Ein großzügiges Außengelände mit vielen Spielmöglichkeiten sorgt für bewegungsintensiven Ausgleich nach dem Unterricht. Aber auch im Unterricht spielt die Natur eine wichtige Rolle, den schließlich möchte die Heckenlandschule Nationalpark-Schule Eifel werden. Für die Arbeit im Gemüsegarten haben die Eltern ein original Fachwerkhaus als Gartenhaus geschaffen. Elternarbeit wichtig Überhaupt ist die Zusammenarbeit mit den Eltern ein wichtiges Standbein der Schule. Sie organisieren Feste oder Konzerte mit, übernehmen den Dienst in der Schülerbücherei und sind bei diversen Aktion immer unterstützende Helfer. Dass die Schule so gut ausgestattet ist mit neusten Lehrwerken und Arbeitsmitteln, liegt jedoch auch an der regen Teilnahme an Wettbewerben, durch die immer wieder zusätzliches Geld in die allgemein leere Kasse fließt. Die Teilnehme an Wettbewerben hat jedoch auch eine pädagogische Bedeutung. Die Kinder arbeiten zu diesem Zweck besonders motiviert und sind sehr stolz, wenn ihre Anstrengung anerkannt wird.
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