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Schulhunde haben die bessere Nase für Schüler
Von Barbara Driessen, epd
«Die gleichzeitige Konzentration auf den Hund, den Reifen und die richtigen verbalen und körpersprachlichen Signale fällt nicht allen Schülern immer leicht», erläutert Lehrerin Lydia Agsten die Szene, die sie auf einem Foto festgehalten hat.
Agsten ist Lehrerin an einer Förderschule im nordrhein-westfälischen Iserlohn. Seit 2002 setzt die Pädagogin ihre eigenen Hunde im Unterricht ein. Hündin Sandy, die aus einem Tierheim in Italien stammt, machte den Anfang. Später kam dann Berner Sennenhündin Bea hinzu. Denn Hunde, so Agstens Erfahrung, können eine wertvolle pädagogische Hilfe für den Lehrer sein. «Damals hatte ich eine sehr schwierige Klasse», erzählt Agsten von den Anfängen. Nach Rücksprache mit der Schulleitung und ihren Kollegen begleitete Sandy sie schließlich in ihre Werkklasse. Die Wirkung sei sofort feststellbar gewesen: Die bislang schwierig zu unterrichtende Klasse wurde deutlich ruhiger und aufmerksamer. «Mit Unterstützung der Hunde lassen sich Schüler viel schneller knacken», sagt Agsten, die seit 30 Jahren im Beruf ist. Selbst Außenseiter könne man oft mit Hilfe des Hundes wieder in die Klassengemeinschaft integrieren. So erinnert sich Agsten an eine Schülerin, die fast immer den Unterricht schwänzte, sich stark vernachlässigte und von den anderen Schülern gemieden wurde. «Der Hund legte sich aber immer wieder neben sie und wollte gestreichelt werden. Andere Kinder sprachen sie deshalb öfter an, und irgendwann gehörte sie dann wieder mit dazu.» Psychologen weisen seit langem auf die positive Wirkung von Tieren auf die seelische Ausgeglichenheit von Menschen hin. Tiere werden auch in Kindertagesstätten, Alten- oder Behinderteneinrichtungen zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Hunde scheinen oft eine außergewöhnliche Antenne für besonders ängstliche oder angespannte Kinder zu haben, vermutet auch die Kölner Gymnasiallehrerin Steffi Strauch, die ihre Hündin Jule mit in ihren Religionsunterricht nimmt. «Einer meiner Schüler leidet an nervösen Tics, und Jule geht immer sofort zu ihm hin, ohne dass ich irgendwie auf sie einwirke.» Dabei können die Schulhunde ganz unterschiedliche Funktionen im Unterricht wahrnehmen: Sie können Kärtchen mit Aufgaben an die Schüler verteilen oder wieder einsammeln. Sie ziehen ein Tuch in einer bestimmten Farbe aus einem Korb, um etwa eine Gruppe auszulosen. «Sie können auch als Belohnung eingesetzt werden: Wenn ein Kind etwas besonders gut gemacht hat, darf es dem Hund ein Leckerchen geben», erläutert Lydia Agsten. Oft liegt ein Schulhund auch einfach nur ruhig mit im Klassenzimmer. Wenn ein Schüler zappelig ist, darf er mal kurz hingehen und das Tier streicheln. Anschließend klappt es dann in der Regel wieder besser mit der Konzentration. Agsten, die ein Buch zum Einsatz und zur Ausbildung von Schulhunden verfasst hat, hält allerdings nicht jedes Tier für geeignet. «Wichtig ist, dass ein Hund nur im Team mit seinem Besitzer eingesetzt wird», sagt sie. «Denn die Verständigung zwischen Hund und Mensch muss da sein.» Der Besitzer muss sein Tier so gut kennen, dass er bereits erste Stressanzeichen wahrnimmt und weiß, wann der Hund eine Pause braucht. Nach ihren Schätzungen gibt es in Deutschland mehr als 300 Schulhunde. Seit 2008 bietet Agsten freiberuflich Kurse zur «hundegestützten Pädagogik in der Schule» an. Eine staatlich anerkannte Weiterbildung gibt es bislang nicht. Auch die Kölner Lehrerin Stefanie Strauch hat bei Agsten schon Seminare absolviert: «Ich habe etwa gelernt, welche Hygienevorschriften eingehalten werden müssen. Oder auch zu erkennen, wann Jule genug hat. Nach zwei Stunden im Unterricht ist sie einfach platt.» Kein Wunder, denn Jule ist noch neu im Kreis ihrer «Mitschüler»: Sie geht erst seit Ostern zur Schule.
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