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Lange vergessen und wiederentdeckt: Hans von Aachen
Von Elke Silberer, dpa
Erst 400 Jahre später entdecken die Aachener ihren verschollenen Sohn wieder, der genau genommen gar kein Aachener ist.
Das Suermondt-Ludwig-Museum zeigt zum ersten Mal das Gesamtwerk des vergessenen Meisters aus der späten Renaissance. Danach geht die Ausstellung «Hans von Aachen - Hofkünstler in Europa» (11. März bis 13. Juni) mit 87 Leihgaben zu den Kooperationspartnern Prager Burggalerie und Kunsthistorisches Museum Wien. «Man kann ihn nicht in eine Schublade stecken. Er konnte alles», betont Museumsleiter Peter van den Brink die ungewöhnliche Bandbreite des Allrounders: große dramatische Altargemälde, humorvolle Szenen, elegante Porträts bis hin zu raffinierten mythologischen Szenen. Hans von Aachen wandelte zwischen europäischen Kunstwelten, erfasste ihre Besonderheiten und führte sie in seinen Bildern zusammen. Mit italienischem Charme und nordeuropäischer Innovation bringt er die Romanze zwischen dem leicht bekleideten Weingott Bacchus und der Göttin des Landbaus, Ceres, auf die Leinwand (Bacchus, Ceres, Amor). Die Eleganz der Figuren, die Pianistenhände des Weingottes, die Anmut, mit der die nackte Schöne ein Weinglas hält - das ist italienische Anmutung. Ein Knabe reicht dem Paar einen Früchtekorb. Das damals noch nicht voll entwickelte Stillleben wirkt präzise, plastisch und beiläufig. Für den Kurator Thomas Fusenig ist diese europäische Mischung die unverkennbare Handschrift des Malers: «Hans von Aachen malte die antiken Götter mit der italienischen Eleganz gepaart mit der nordeuropäischen Tradition der Bodenständigkeit.» Die familiären Wurzeln in Aachen, in Köln geboren, Lehre bei einem flämischen Maler, zehn Jahre Italien - Hans von Aachen war ein rheinisch-munterer Wandler zwischen den Welten, der gern lachte und ein Gläschen Wein trank. Und er war ein Europäer. Bei der «Kreuztragung Jesu» ließ er typisch nordeuropäisch viele Menschen zugucken, hielt die Szenerie aber in den Farben rot, gelb und blau. «Er malt ein nordeuropäisches Bild in venezianischen Farben», stellt van den Brink die Besonderheit heraus. Kurz nachdem Hans von Aachen stirbt, bricht der 30-jährige Krieg aus. Das war das Ende der Hof- und Hochkultur der Renaissance in Mitteleuropa. Der Hofmaler gerät weitgehend Vergessenheit. Schließlich war er nur noch Experten ein Begriff. Doch nun soll Hans von Aachen die Massen anziehen. Das Aachener Museum erwartet einen Rekord mit mehr als 25.000 Besuchern. Das Kunsthistorische Museum in Wien hängt Bilder des Rheinländers in die Nähe von Dürer und Rubens.
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