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Diagnose Zöliakie: Ein neues, ganz anderes Leben
Von Edda Neitz
Zöliakie, auch einheimische Sprue genannt, ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Auslöser der Erkrankung ist der Eiweißstoff Gluten, auch Klebereiweiß genannt, der in den Getreidearten Weizen, Hafer, Dinkel, Roggen, Grünkern und Gerste enthalten ist.
Die aufgenommene Nahrung wird im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die Dünndarmschleimhaut in die Blutbahn. Die Dünndarmschleimhaut ist mit Zotten ausgekleidet, über die Nährstoffe aufgenommen werden. Gelangt Gluten bei Zöliakie-Betroffenen in den Dünndarm, wird das Immunsystem aktiviert und die Schleimhaut des Darms entzündet sich. Je nach Schweregrad der Zöliakie bilden sich die Zotten zurück und können weniger oder gar keine Nährstoffe (wie Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe) mehr aufnehmen. «Die Sprue hat viele Gesichter mit vielfältigen Symptomen. Das reicht von Bauchschmerzen und Blähungen, über Müdigkeit, Gewichtsverlust bis zu akuten Eisenmangel und Blutarmut», erklärt Gastroenterologe und Oberarzt Dr. Alexander Koch, der an der Uniklinik Aachen in der III. Medizinischen Klinik bei Professor Christian Trautwein arbeitet. Betroffene Kinder leiden vor allem unter Blähungen, Durchfall und Erbrechen. Appetitlosigkeit und Wachstumsstörungen sind auch wichtige Hinweise. Bis die Diagnose «Zöliakie» feststeht, leiden Betroffene oft jahrelang. Das hat mehrere Ursachen. Zum einen können die Betroffenen die vielfältigen Symptome oft selbst nicht richtig einordnen. Viele gewöhnen sich auch an ihre Beschwerden. Andererseits ziehen Mediziner die Glutenunverträglichkeit nicht sofort als Erklärung für die breite Palette der geschilderten Beschwerden in Betracht, weil die konkreten Anzeichen schwer erkennbar sind. Laut der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) liegt das Vollbild der Zöliakie nur bei zehn bis 20 Prozent der Betroffenen vor. 80 bis 90 Prozent der Patienten wissen nicht von ihrer Erkrankung. Besonders häufig kommt es zwischen dem ersten und achten und dem 20. und 50. Lebensjahr zum Ausbruch der Erkrankung. «Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Zöliakie viel häufiger vorkommt als es klinische Daten zeigen», sagt Alexander Koch. Diese Diskrepanz erklärt sich aus dem Wandel des Erscheinungsbildes der Erkrankung. Darüber hinaus wurden neue Antikörper-Bluttests in den letzten Jahren entwickelt. Inzwischen kann die Unverträglichkeit von Gluten mit einem einfachen und raschen Bluttest festgestellt werden, auch atypische oder stumme Verlaufsformen werden besser erkannt. Die DZG geht von einer Häufigkeit aus, die bei 1:200 liegt. Für eine exakte Diagnose ist aber eine mikroskopische Untersuchung der Dünndarmschleimhaut, eine Dünndarmbiopsie, die Voraussetzung. Nur Blutuntersuchungen reichen nicht aus. «Durch eine Schleimhautuntersuchung können wir den Schweregrad der Sprue beim Erwachsenen feststellen», sagt der Gastroenterologe Alexander Koch. Zöliakie gehört zu den wenigen Erkrankungen, die ausschließlich mit einer Diät behandelt wird. Bereits nach einigen Wochen glutenfreier Ernährung, kann es zu einer vollständigen Erholung der Dünndarmschleimhaut kommen. «Jeder Zöliakie-Betroffene sollte sich konsequent, aber auch lebenslang glutenfrei ernähren. Dann hat der Patient die gleichen Lebenserwartung wie Menschen ohne Zöliakie und er reduziert dadurch auch das Risiko für Begleiterkrankungen», betont Alexander Koch. Selbst kleinste Mengen an Gluten können einen Rückfall auslösen. «Die unspezifischen Sprue - Symptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit werden durch akuten Nährstoffmangel, insbesondere Eisenmangel hervorgerufen. Seit sieben Jahren ernährt sich Hans-Jürgen Schwarzbauer glutenfrei. Dass er nicht alles essen kann, nimmt er gerne in Kauf. Denn wer hat schon die Möglichkeit nur mit einer Nahrungsumstellung und ohne Medikamente wieder ganz gesund zu werden. «Viele Lebensmittel sind weiterhin erlaubt», erklärt Daniela Rüter, Diätassistentin an der Uniklinik. Seit diesem Jahr organisiert sie regelmäßige «Spru-Treffen», weil Betroffene oftmals erst lernen müssen, ihre Einschränkung richtig einzuschätzen und damit bewusst umzugehen. «Schon beim Lebensmitteleinkauf sollte der Blick auf die genaue Produktzusammensetzung oberste Priorität haben», sagt die Ernährungsspezialistin. Stehen Emulgatoren, Stärke, Stabilisatoren oder Konservierungs- und Verdickungsstoffe auf der Zutatenliste, ist Gluten nicht weit. Über 50.000 Lebensmittel und ca. 12.000 Arzneimittel sind nach Angaben der DZG glutenfrei. Noch ist nicht vollkommen erforscht, warum bei einigen Menschen Zöliakie auftritt. Experten gehen davon aus, dass eine Vererbung, eine Fehlsteuerung des Immunsystems, aber auch Infektionen und Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
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