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Mit denkwürdiger Leistung Mozarts «Lücke» gefüllt

13.11.2006, 17:39

Aachen. Mit der nüchternen Tatsache, dass Mozart mit dem «Requiem» und der Messe in c-Moll KV 427 ausgerechnet seine beiden größten Chorwerke unvollendet hinterlassen hat, können sich viele Musikfreunde seit dem Ableben des Meisters nicht anfreunden.


Die Gelassenheit, sich mit Lücken im gigantischen Oeuvre des Meisters abzufinden, gehört nicht zu den Stärken der Menschheit. Und so mangelt es für beide Werke nicht an mehr oder weniger gelungenen Rekonstruktionsversuchen.

Im Falle der großen c-Moll-Messe erweisen sich solche Experimente als besonders heikel, hat Mozart das Werk doch bewusst fragmentarisch hinterlassen, und für die fehlenden Teile des Credo und des Agnus Dei existieren so gut wie keine verlässlichen Skizzen.

Den jüngsten Versuch startete der amerikanische Musikforscher Robert R. Levin. Helmuth Rilling machte diese Fassung im Rahmen einer großen Tournee im letzten Jahr international bekannt, wobei es superlative Lobeshymnen bis hin zur «kongenialen» Meisterschaft hagelte.

Thomas Beaujean stellte sich jetzt mit der Cappella Aquensis und dem Aachener Sinfonieorchester dieser großen Herausforderung und präsentierte die viel diskutierte Fassung in der Kirche St. Michael.

Schwieriges Werk

Kurz gesagt: Beaujean gelang eine rundum überzeugende Interpretation des schwierigen Werks, stellte aber zugleich die «Konge-nialität» der rekonstruierten Teile in Frage.

Sieben Nummern fertigte Levin aus Skizzen und Motiven von zum Teil fragwürdiger Herkunft an, überwiegend Chorfugen und eine virtuose Tenorarie, insgesamt rund 30 Minuten zusätzliche Musik.

Eine gekonnte Fleißarbeit, der aber die Originalität und das Raffinement der originalen Vorlagen fehlen, so dass sich die Frage einstellt, ob man mit dem Bekenntnis zur Lücke dem Werk nicht gerechter würde?

Das schmälert natürlich nicht die Leistung der Aachener Musiker. Ohne stilistische Extravaganzen beschwört Beaujean die eindrucksvolle Größe der Chorpartien und kann sich dabei auf seinen vorzüglich geschulten Chor verlassen.

Auch die Aachener Sinfoniker ließen es nicht an Einsatzfreude missen. Problemen angesichts der besonders virtuosen Anforderungen sieht sich natürlich das Solistenquartett ausgesetzt, in dem die Sopranistin Sabine Schneider, die Mezzosopranistin Mechthild Georg und der Tenor Hein Heidbüchel denn auch an ihre Grenzen stießen.

Großer Beifall für eine denkwürdige Leistung.



 

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