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Geselligkeit und eine Prise Kampfgeist
Von Martina Rippholz
Dann legt Maas nach. Seine Kugel landet nur wenige Zentimeter neben einem kleinen, roten Kügelchen aus Plastik.
Genau darin liegt das Ziel dieses gemütlichen, etwas seltsam anmutenden Spiels im Kurpark am Brunnen neben dem Aachener Casino - des Boule. Bei diesem südfranzösischen Freizeitspiel wird eine farbige Kugel, auch «Sau» genannt, in einem Park oder auf einem öffentlichen Platz etwa sechs bis zehn Meter weit geworfen. Von einem Wurfkreis aus müssen die gegnerischen Spieler dann jeweils drei Metallkugeln möglichst nahe an die «Sau» heran werfen. Wer mit seiner Kugel am nächsten dran liegt, bekommt einen Punkt. Das hat Maas geschafft. Der 47-Jährige ist allerdings auch kein Anfänger. Seit 2000 ist er lizensiertes Mitglied des Vereins «Boule d´Aix-la-Chapelle», spielt in der Kreisliga B des Boule- und Pétanque Verbandes Nordrhein-Westfalen. «Pétanque bedeutet, dass beim Abwurf die Füße geschlossen stehen müssen», erklärt Johannes Krotz, Schatzmeister von «Boule d´Aix-la-Chapelle» und seit seiner Gründung in den 90ern dabei. Als erfahrener Spieler kennt der 60-Jährige sich mit den feinen Unterschieden aus. « Boule ist das reine, freizeitliche Vergnügen. Pétanque sagt man, wenn man vom Wettkampfsport spricht.» Ein solcher Wettkampf in dem Präzisionssport steht für Maas, Krotz und weitere 45 lizensierte Vereinsmitglieder nun kurz bevor. Am Sonntag, 19. April, beginnt die neue Ligasaison in NRW. Mit vier Mannschaften nimmt der Aachener Verein daran teil. Aachen1 und Aachen2 spielen in der Bezirksliga Rheinland, also in der dritten NRW-Liga. Aachen3 tritt in der Bezirksliga an, und Aachen4 -ÊMaas´ Liga -Êist in der Kreisliga, will aber in dieser Saison aufsteigen. In Zweifelsfällen mit Meterband Deshalb trainieren viele Wettkampfspieler zweimal pro Woche im Kurpark an der Monheimsallee. So auch an diesem Dienstag um 17 Uhr. Zwei Spiele finden gerade statt, nur wenige Meter voneinander entfernt. Bei einem geht es mit dem Meterband ans Werk. In Zweifelsfällen muss genau gemessen werden, welche Kugel der «Sau» näher gekommen ist. Ansonsten geht es in der warmen Nachmittagssonne eher gemächlich zu. Einige Boule-Fans sitzen auf Bänken, andere unterhalten sich in kleinen Gruppen über dies und das. «Bei uns geht es schon entspannter zu als in anderen Verbandssportarten», sagt Johannes Krotz. «Hier kommt man, wann und so oft man will. Jeder kann einsteigen, egal ob er im Verein ist oder nicht.» Es ist als die entspannte Atmosphäre, die Krotz´ Leidenschaft für Boule geweckt hat. «Hier treffen sich die verschiedensten Leute, vom Arbeitslosen bis zum Rentner, von der Acht- bis zur 85-Jährigen. Diese Geselligkeit macht das Spiel aus.» Dennoch: Ein wenig ernster wird es mit dem Saisonbeginn für die Mannschaften des Aachener Vereins schon. Erklärtes Ziel ist schließlich, zu gewinnen und womöglich aufzusteigen. Am ersten Ligaspieltag treten die Aachener in Huchem-Stammeln, Bonn und Köln gegen andere Spieler aus NRW an. Der zweite Ligaspieltag findet dann am Sonntag, 24. Mai, in Aachen an der Monheimsallee statt. «Pro Liga kämpfen dann acht Mannschaften gegeneinander», erklärt Uwe Maas. «Da kommen insgesamt rund 100 Personen zusammen.» Und die begegnen sich in drei verschiedenen Disziplinen: einmal Tte-à-tte», also eins gegen eins, einmal Doublette, zwei gegen zwei, und einmal Triplette, drei gegen drei. Bei so vielen Matches dauert das Turnier den ganzen Tag, von zehn Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Genug Zeit für Neugierige und Interessiert, einfach mal im Kurpark vorbeizuschauen. Vielleicht bekommt der ein oder andere Lust auf Boule und die französische Geselligkeit. Die gibt es dann wieder beim offenen Training am Casino. Ohne Wettkampfeifer wird dort eine ganz ruhige Kugel geschoben.
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