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Lautsprecher für die Informatik: Professor Manfred Nagl vor dem Ruhestand
Von Axel Borrenkott
«Ganz wichtige Veranstaltung, das muss groß in der Zeitung stehen», rief Manfred Nagl schon vorsorglich an und legte noch einen Schwung E-Mails an die halbe Redaktion nach.
So war er, und so wird er wohl bleiben. Nur seinen Lehrstuhl Informatik III verlässt der 65-Jährige zum Ende dieses Semesters. Am kommenden Freitag wird der Emeritus in spe aber noch einmal gebührend gefeiert. Manfred Nagl, 1944 im böhmischen Landskron (heute Lans´kroun) geboren, ist der Typ freundliche Nervensäge und Schlitzohr, der für sein Fach und seine Leute nichts unversucht lässt. Einer, der offenbar keine Delle in seiner Laufbahn kennt. Professor sein «ist das Schönste», Vorlesungen halten «eine tolle Sache», Forschung ist «noch spannender». Einen ganzen Zettel voller Euphorien hat sich Nagl zum Resumee über seine Arbeit an der Hochschule zurechtgelegt. «Junge Leute begleiten» Die Informatik braucht solche Lautsprecher. Noch in den 70er Jahren ein Orchideenfach, gehören heute die insgesamt zwölf Informatik-Lehrstühle der RWTH zu den besten des Landes. Nagl selbst, 1986 nach Aachen gekommen, und seine Forschungsteams betrieben grundlegende Software-Entwicklungen für den Werkzeug- und Maschinenbau, für die Verfahrenstechnik sowie für das Management von Entwicklungsprozessen. Alle seine Assistenten aus dieser Pionierzeit sind längst selber Ordinarien. Zu ihnen gehört auch der Vizepräsident der Universität Paderborn, Wilhelm Schäfer, der den ersten Fachvortrag zum Abschiedsfest 24. Juni halten wird. Der Titel macht klar, dass man normale Menschen nicht allzu tief mit den Feinheiten des Fachs behelligen sollte: «Von Ipsen zu mechatronischen Entwurfsumgebungen». Das Raffinierte an Informatik ist, dass kaum ein Ding heute mehr ohne sie funktioniert, man aber nichts davon wahrnehmen kann. Handys, Flugzeuge, Autos, Spülmaschinen, Heizungen, Versicherungen, Biochemie, Textverarbeitung, Medizin - was immer auf systematischer Informationsverarbeitung beruht, hat «Informatik» drin. Kurzum: eigentlich alles, was unsere Informationsgesellschaft am Laufen hält. Absolventen der Informatik haben immer noch beste Aussichten, einen Job zu bekommen, heißt es im jüngsten Arbeitsmarktbericht die Bundesagentur für Arbeit. Nach dem Boom bis in die 90er Jahre gab es allerdings mit der Jahrtausendwende heftige Einbrüche in den Studienanfängerzahlen. Während aber früher Informatiker zuvörderst in Banken und Versicherungen unterkamen, «erhöht sich der Anteil in den technischen Firmen dramatisch», freut sich Nagl. Dass das namentlich auch in der Region Aachen gefördert wird, ist wiederum nicht zuletzt Nagls Verdienst. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und ist bis heute im Vorstand des Interessenverbands «Regina». Der Verein fördert die Vernetzung der hiesigen Informatik-Firmen untereinander sowie mit den Hochschulen. Eine Forscherkarriere habe er zunächst gar nicht gewollt, erzählt Nagl, aber - nach zwei Jahren Industrieerfahrung bei Siemens - mit der Promotion 1974 dann eben doch «von Station zu Station» betrieben. Unter anderem als Sprecher diverser Forschungsbereiche. «Die Reifeprozesse von jungen Leuten zu begleiten», sei so schön wie «anstrengend. Für Vorlesungen vor 800 Leuten braucht man schon ein gutes Nervenkostüm». Gezählte 300 junge Leute habe er zum Diplom, 50 zur Promotion geführt. Hochschulpolitik Zunehmend entdeckte Nagl, nebenbei Autor von 25 Büchern, dann auch noch Freude an Hochschulpolitik, war von 2006 bis 2008 Vorsitzender des Fakultätentags Informatik und zudem Vorsitzender des Dachverbands der Fakultätentage Ingenieurwissenschaften und Informatik (4Ing). Lieblingsthema: Die Mängel des Bologna-Prozesses, zumal für das Ingenieurstudium. Während Nagl aber vor Jahren noch regelrecht vor dem Bachelor als viel zu frühem Abschluss warnte, sagt er heute gemildert: «Das Bologna-Ziel ist eigentlich sinnvoll. Die Umsetzung ist allerdings ein bisschen problematisch, da gab es auch zu viele 150-prozentige in der Bürokratie.» Auf alle Fälle aber fand Manfred Nagl es «hoch interessant. Ich hätte nicht gedacht, in so kurzer Zeit Einfluss zu nehmen, dass Bologna nicht in die falsche Richtung geht». Professor Nagl kümmert sich eben gerne. Um den Lehrstuhl Informatik III hingegen kümmert sich nun Professor Bernhard Rumpe, der bereits im Januar von der Universität Braunschweig zur RWTH Aachen gekommen ist.
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