Specials / Sportlerwahl 2009


Eine Top-Sportlerin ohne Allüren

Von Heribert Förster 08.02.2010, 18:54

Aachen/Leverkusen. Wer das Glück hatte, bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin live im Stadion zu sein, dem bleiben verschiedene Momente im Gedächtnis haften.


Der Sturz von Siebenkämpferin Jennifer Oeser im abschließenden 800-Meter-Lauf mit ihrem furiosen silbernen Finale zum Beispiel oder Ariane Friedrichs «beruhigende Handbewegung». Als die Hochspringerin einen Zeigefinger vor ihren Mund hielt, verstummten auf einen Schlag über 50.000 Menschen im Olympiastadion.

Gänsehaut-Momente, aber noch bewegender war das Szenario am Abend des 19. August, als Steffi Nerius den Speer weit segeln ließ. Ganz weit. Erst nach 67 Metern und 30 Zentimetern landete das 600 Gramm schwere Wurfgerät im Rasen - dieser weite Wurf bereits im ersten Versuch bedeutete nicht nur persönliche Bestweite für 2009, er bedeutete auch Gold für die 37-Jährige im «Wettkampf meines Lebens».

Am 8. März wird Steffi Nerius ihren goldenen Moment und die Stunden danach noch einmal Revue passieren lassen, denn dann ist die Leverkusenerin Stargast bei der 27. Sportler-Gala der «Nachrichten». 67 Tage wird das Jahr 2010 am 8. März alt sein, ein Jahr, in dem für Steffi Nerius vieles anders ist als in den 365 Tagen des Jahres 2009. Dieses abgelaufene war das Jahr der Steffi Nerius, nicht nur wegen des Weltmeistertitels. Denn die auf der Ostsee-Insel Rügen geborene Nerius wurde auch zur Sportlerin des Jahres gewählt - zu diesem Erfolg hat die AN ihr übrigens schon während der WM gratuliert, ahnend, dass es keine andere Siegerin geben dürfte... Und Steffi Nerius hat ihre glanzvolle Karriere beendet. Das stand schon vor der WM fest, und das Ende «kommt genau zum richtigen Zeitpunkt».

Das sagte Steffi Nerius am Morgen nach ihrem WM-Triumph, und wer das Glück hatte, bei der Pressekonferenz morgens um 9 Uhr nach einer, nun ja, anstrengenden Nacht dabei zu sein, erlebte die nächsten besonderen Momente. Denn anders als viele Stars ist Steffi Nerius immer Steffi Nerius geblieben. Natürlich, freundlich, ohne jede Allüren. Und es war rührend, als sie den Journalisten ein «großes Geheimnis» anvertraute: «Mein Trainer kriegt ´ne Harley von mir.» Ihre Bitte, «es soll eine Überraschung sein», konnte so natürlich nicht eingehalten werden...

Helge Zöllkau ist nicht mehr ihr Trainer, aber immer noch fast täglich mit der Speerwurf-Weltmeisterin zusammen. Denn beide sind als Trainer bei Bayer Leverkusen angestellt, die Weltmeisterin ist seit Oktober als Vollzeitkraft angestellt und betreut wie schon lange Jahre zuvor als Teilzeitkraft Behinderten-Leistungssportler bei Bayer. Natürlich erfolgreich, und schon kurz nach ihrer WM feierte Steffi Nerius bei der nächsten WM große Erfolge ihrer Schützlinge. Mathias Mester gewann gleich drei Titel bei den Titelkämpfen in Indien, Markus Rehm zwei, und auch Vanessa Low holte zwei Medaillen, Frank Tinnemeier eine.

Diese Erfolge bedeuten Steffi Nerius nicht weniger als ihre eigenen in einer glanzvollen Karriere, die mit dem WM-Titel und der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2009 ihre Höhepunkte hatte. Dass Steffi Nerius auch zur NRW-Sportlerin des Jahres und zur Leichtathletin 2009 gewählt wurde, sei nur am Rande erwähnt. Es rundete das Jahr aber so richtig schön ab.