Sport / Alemannia

Tivoli-Sturz: Haben die Ordner sich korrekt verhalten?

Von Marlon Gego 19.08.2009, 17:35

Aachen. Der Gesundheitszustand des 39-jährigen Sven M., der am Montagabend nach dem Spiel von Alemannia Aachen gegen den FC St. Pauli vom Gäste-Stehblock gestürzt war, ist unverändert kritisch.


Bis M. aus dem künstlichen Koma aufgeweckt werde, in das er am Dienstag versetzt worden war, könnten noch einige Tage vergehen, sagte Oberstaatsanwalt Robert Deller am Mittwoch.

Derweil hat die Aachener Staatsanwaltschaft am Mittwoch den Fall übernommen. Im Moment ermittelt sie gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Hintergrund der Ermittlungen ist die Suche nach möglichen Fehlern, die etwa während der Planung, des Bau oder des Genehmigunsverfahrens gemacht worden sein könnten, und die letzten Endes Einfluss auf das Unglück am Montag gehabt haben können.

Eine Frage, die die Staatsanwaltschaft beschäftigen wird, ist die nach dem Verhalten der Ordner im Gäste-Stehblock, von dessen Brüstung aus Sven M. mehr als sechs Meter tief stürzte. Nach Angaben von Alemannia-Sprecher Thorsten Pracht waren «während des Spiels 15 bis 20 Ordner» in diesem Block. Allerdings belegen Fotos, dass bereits während des Spiels - und nicht erst danach, als der Unfall passierte - Fans auf der Brüstung gestanden haben, ohne dass ein Ordner dies verhindert hatte. Wäre es aber die Aufgabe der Ordner gewesen, dies zu verhindern?

Pracht weist darauf hin, dass die Ordner generell zum Deeskalieren angehalten seien. In Artikel 51 des Stadionhandbuches des Deutschen Fußballliga (DFL) werden Ordner andererseits dazu aufgefordert, «sicherheitsrelevante Sachverhalte an die Polizei» zu melden; doch Thomas Schneider, Koordinator für Fan-Angelegenheiten der DFL, sagt, «dass es immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit ist, sich für einen Polizeieinsatz zu entscheiden».

Schneider, der selbst bei der Eröffnung des neuen Tivoli am Montag in Aachen war, hofft darauf, dass «die notwendige Diskussion» über die Geschehnisse in Aachen als Weckruf für die Fanszene dienen kann, sich in Stadien generell «weniger selbst- und fremdgefährdend» zu verhalten.

Die Alemannia hat der Familie von Sven M. noch am Dienstag einen Anwalt zur Verfügung gestellt, der gegen die Veröffentlichung von Bildern vorgegangen ist, die M. nach seinem Sturz auf dem Boden liegend zeigen. Der Axel-Springer-Verlag hat daraufhin eine Unterlassungserklärung unterschrieben und die Bilder aus einem seiner Internet-Angebote entfernt.



 

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