Bornemann: «Es wird nicht den großen Schnitt geben»
13.03.2009, 19:00
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Aachen. In einem anderen Bereich würde man nach dem Gespräch formulieren, dass man es mit zwei Realpolitikern zu tun hat. Der Verein lebt von Emotionen, aber Alemannias neuer Manager Andreas Bornemann und sein Geschäftsführer Frithjof Kraemer wagten beim Redaktionsgespräch einen nüchternen Ausblick. Und nebenbei war das 90-minütige Gespräch ein Plädoyer für den eigenen Trainer.
Herr Bornemann, hätten Sie sich einen anderen Einstieg in Ihre Arbeit gewünscht, als sofort die Trainerfrage beantworten zu müssen?
Bornemann: Ich habe mich gewundert über die Ausgangslage in Aachen. Jürgen Seeberger holt 58 Punkte im Kalenderjahr, so viel wie sonst niemand in der Liga. Und dennoch werde ich an jeder Ecke mit der Trainerfrage konfrontiert. Das habe ich nicht ganz verstanden. Nach dem Abstieg und dem Intermezzo mit Buchwald hat ein in der Bundesliga relativ unerfahrener Trainer 30 Punkte mit dieser Mannschaft geholt. Die Abwärtsspirale wurde gestoppt, das ist nicht selbstverständlich - siehe Hansa Rostock. Das Tabellenbild am Saisonende spiegelt seit Jahren die finanziellen Möglichkeiten wieder. Da liegen wir in diesem Jahr auf Platz 6 bis 8. In der Tabelle war das Team aber Fünfter mit nur geringem Abstand zur Spitze, und trotzdem herrschte Unzufriedenheit.
Haben Sie herausgefunden, woher die Unzufriedenheit kommt?
Bornemann: Sie entsteht immer dort, wo Erwartungen, Wünsche oder Versprechungen nicht eingelöst werden. Vielleicht war es ein Fehler, vor der Saison keine konkrete Zielsetzung zu formulieren. Es hätte gut getan, auf die gewaltige Aufgabe mit dem Stadionbau hinzuweisen.
Kraemer: Ich mache eine kleine Anmerkung. Schon bei den ersten Gesprächen hatten Erik Meijer und ich den Eindruck, dass Andreas Bornemann enorm bodenständig ist. Wir haben damals nicht das gehört, was wir hören wollten, sondern haben eine realistische Einschätzung von ihm bekommen. Ich spüre ein offenes und ehrliches Einschätzen der Gesamtsituation. Ich höre kein Jammern, aber auch keinen falschen Optimismus.
Es gibt auch Gegenbeispiele, Herr Bornemann, dass Klubs wie Fürth oder St. Pauli mit geringerer finanzieller Potenz erfolgreich sind.
Bornemann: Fürth lasse ich gelten, sie sind unter den ersten Sechs aber auch der einzige Ausreißer. St. Pauli steht genau da, wo sie hingehören. Sie sind wirtschaftlich eher vor der Alemannia platziert.
Liegt die Wahrheit oder die Antwort auf die Unzufriedenheit nicht auf dem Spielfeld? Es gab exakt drei überzeugende Spiele.
Bornemann: Das ist 2. Liga. Flächendeckend, fast ohne Ausnahme. Wo kommt eigentlich der Anspruch her, dass man die Gegner locker vom Platz spielt? Die Liga ist extrem ausgeglichen, die Hälfte der Liga hat auswärts Probleme. Aber zufrieden bin ich natürlich nicht damit.