Aachen. «Die emotionalste Baustelle der Stadt» verspricht das großformatige Schild am Rohbau des neuen Stadions. Gefehlt, wenn auch nicht weit, denn noch spielen sich die großen Emotionen nur ein paar hundert Meter weiter Richtung Innenstadt auf der Baustelle Bundesliga ab.
Fußball ist wohl immer noch wichtig, und so ließ Alemannia Aachen dem Galaauftritt in Mainz vor 14 Tagen einen 1:0-Sieg gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth auf dem Tivoli folgen - der erste Dreier gegen die Franken seit der Saison 2001/2002.
Sechs Punkte aus zwei Spielen gegen große Namen, in den Partien zuvor zu viele Punkte liegenlassen, da wird der Standard-Schrauber für Gelegenheiten ohne große Perspektive erst einmal wieder in die Werkzeugtasche gepackt. «Soll ich jetzt wieder mit den selben Floskeln kommen wie 'Wir denken nur von Spiel zu Spiel'? Nein, mach´ ich nicht», wehrte Torjäger Benny Auer ab. «Wir haben die Schnittstellen der Fürther gut zugestellt, offensiv nicht viel zugelassen. Der Gegner hatte nur ein oder zwei Möglichkeiten», schilderte er dafür das Erfolgsrezept, dessen Zeugen 19.563 Zuschauer wurden.
«Es bringt jetzt nichts zurückzuschauen», weigerte sich auch Timo Achenbach, vergebenen Chancen nachzutrauern, und blickte lieber auf die aktuelle Leistung: «Wir haben die Taktik von Mainz mitgenommen und die Grundtugenden auf den Platz gebracht.»
Genau das war der Schlüssel, um gegen die Mannschaft von Benno Möhlmann als Sieger vom Platz zu gehen - man kann den Fans eigentlich nur vorwerfen, nicht schon am ersten Spieltag Einsatz, Aggressivität, Pressing und Laufbereitschaft gefordert zu haben. Die bislang so spitzen Waffen der Fürther blieben stumpf gegen eine Aachener Mannschaft, die defensiv dem Gegner kaum Räume gönnte und offensiv eine Vielzahl von Chancen herausspielte - und konsequent nicht nutzte. Weder Nemeth (15.) noch Olajengbesi (24.), nicht Lehmann (27.) und auch nicht Auer (30./38.) und schon gar nicht Cristian Fiel, der aus kürzester Distanz nur ein Kullerbällchen zustande brachte (44.).