Aachen. Cristian Fiel hatte Mühe, ihm zu folgen. «Wo will der denn wieder hin?» Ein Haken nach links, einer nach rechts. Fiel ließ sich nicht abschütteln. Schließlich ahnte er, wohin es Lewis Holtby zog. Der 18-Jährige hatte gerade einen Treffer erzielt, der erst enttarnt werden musste. Nur Schiedsrichter Assistent Florian Steinberg entdeckte den regulären Treffer, was ihm die Ehrenmitgliedschaft der Optikerinnung einbringen musste.
Holtby hatte mit einem präzisen Fernschuss seinen siebten Saisontreffer erzielt, was sich mit entsprechender Verzögerung auch im Stadion herumsprach. So lief er hakenschlagend der Familie auf der Sitzplatztribüne entgegen.
Zumindest beim regelmäßigen Jubel sind die Laufwege von Holtby klar. Etwas schwieriger lässt sich erahnen, wo er in der nächsten Saison jubeln wird. Nach Spielende schlug er weiter Haken - um die Medienvertreter. «Ich sage heute nichts.» Vermutlich ist das Motiv für so viel Zurückhaltung weniger Arroganz, eher Unsicherheit. Er umdribbelt die ewig identischen Fragen.
Etwas deutlicher war er am Freitagabend bei 1899 Hoffenheim geworden. Das kleine Großtalent sagte jedenfalls ab. Und später berichtete Manager Jan Schindelmeiser, dass der Wechsel an «unerfüllbaren Gehaltsvorstellungen» gescheitert sei. Das ist eine erstaunliche Auskunft für einen Raum, bei dem bislang selten etwas am Geld scheiterte.
Nur Aachen entscheidet
Nicht amüsiert über den Schlagzeilen-Produzenten Holtby und Berater Thomas Noack ist Aachens Manager Andreas Bornemann. Schließlich steht da der Jungprofi ohne jede Einschränkung bis 2010 unter Vertrag.
«Ich lese ständig, dass einer dort oder da abgesagt hat, aber das Heft des Handelns liegt nur beim Verein», sagt Bornemann und findet das Verfahren «ein bisschen ärgerlich». Bislang hat der Verein eher großzügig reagiert, weil er die Vertragsgespräche zugelassen hat.