Aachen. Als die Uhr unerbittlich runter tickte, war sich Jürgen Seeberger auch als Balljunge nicht zu schade, um das Spiel zu beschleunigen. Der Gegner hatte kein ausgeprägtes Interesse mehr an einem flüssigen Geschehen, er baute noch die dritte Auswechslung ein, die Rückennummer 5 leuchtete auf. Doch Benjamin Reichert machte keine Anstalten, sich vom Platz zu bewegen.
Cristian Fiel schob den Kapitän von Rot-Weiß Oberhausen an, dalli-dalli, nun sollte dann doch Gäste-Nummer 6 runter. Alemannia Aachen drückte auf die Tube, Timo Achenbach schlug die letzte Flanke, der Ball verlor - physikalisch kaum zu erklären - an Schärfe, plumpste nur auf den Kopf von Benny Auer. Und trudelte am Pfosten vorbei.
Raus mit Applaus: «Nur» 2:2 gegen den Aufsteiger, der seit 58 Jahren nicht auf dem Tivoli gewonnen hat; die Jagd nach dem sechsten Sieg in Serie und dem fünften Spiel ohne Gegentor gestoppt, dennoch vom Publikum freundlich und anerkennend in die Kabine entlassen.
«Natürlich bleibt Enttäuschung zurück», sagte Alemannia-Coach Seeberger. «Wir haben unsere individuelle Klasse nicht umgesetzt.»
Alles gegeben, vieles versucht, dennoch rollte Matthias Lehmann eine Mängelliste aus: «Zu zerfahren, zu hektisch, zu passiv, zu weit auseinander gestanden.»
Doch mit dem Druck, in der entscheidenden Saisonphase bloß nicht mehr stolpern zu dürfen, habe das «nichts zu tun. Das passiert halt mal.» Und dann verkündete der Kapitän die Parole: «Es gibt noch zwölf Punkte. Das war´s noch lange nicht» - in Sachen Aufstiegskampf.
Thorsten Stuckmann sah aus seinem Strafraum einen «sehr tief stehenden Gegner, die spielten ja praktisch mit einer Fünferkette». Hervé Oussalé fand nach drei Minuten hinter den Riegel und klärte gegen sich selbst.
Nach 24 Minuten hielt Lewis Holtby drauf, 1:0, «alles lief perfekt» für Lehmann & Co. «Aber dann haben wir den Faden verloren.» Anders ausgedrückt: Alemannia ließ sich übertölpeln. «Wir hatten es vor dem Spiel noch angesprochen, dass RWO die Freistöße schnell ausführt», berichtete Stuckmann.